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#HoFiVisionen: Wie wir eine kleine Elite fördern

Die Exzellenzinitiative wird als eines der zentralen Finanzierungsmittel und Entwicklungsprojekte im Hochschulwesen angesehen. Ende Januar hat eine Expert*innenkommission unter Leitung des Schweizer Wissenschaftlers Dieter Imboden eine Evaluation zu den bisherigen „Erfolgen“ veröffentlicht. Mit diesem Bericht entbrannte auch die Debatte um die Ausgestaltung der zukünftigen Förderlinien in diesem Programm erneut.

Ein fast schon krampfhaftes Klammern an dem Projekt ist in der politischen Debatte immer wieder zu beobachten. Die Option über alternativer Finanzierungsmodelle, wird von vorneherein ausgeschlossen. Wir wollen hier die großen Probleme der Exzellenzinitiative darstellen und den Bericht sowie die aktuellen Verhandlungen kommentieren.

Finanzierung

Die Mittel für die bisherige Exzellenzinitiative kommen mehrheitlich aus dem Bundeshaushalt. In der aktuellen Förderrunde werden aktuell 45 Graduiertenschulen, 43 Forschungscluster und 11 sogenannte Exzellenzuniversitäten gefördert. Im Vergleich zur Gesamtzahl aller Hochschulen im Bundesgebiet ist das jedoch viel zu wenig. Die geringe Zahl, wird damit legitimiert, dass es das Ziel sei, eine leistungsfähige Elite unter den Hochschulen zu schaffen, die sich im internationalen Wettbewerb mit anderen „Elite-Hochschulen“ beweisen kann.

Auch in der nächsten Runde der Exzellenzinitiative wird sich das voraussichtlich nicht ändern. Zukünftig soll es weiterhin rund 40 Forschungscluster und etwa 10 sogenannte Exzellenzuniversitäten geben. Wissenschaftsministerin Wanka träumte sogar davon, den Kreis der Exzellenzuniversitäten auf eine kleine Zahl von fünf bis sechs zu verschmälern. Im verglich zum verschwindend geringen Anteil der geförderten Hochschulen sind die hohen Ausgaben für die Exzellenzinitiative damit unverhältnismäßig. Wie hier die hohen Ausgaben der Exzellenzinitiative noch zu rechtfertigen sind, ist unklar. Ein zweiter großer Diskussionspunkt ist die Dauer der Förderung. Mit dem gelockerten Kooperationsverbot im Hochschulbereich hätte der Bund die Möglichkeit, dauerhaft in die Finanzierung der Hochschulen einzusteigen. Der Wunsch danach wird auch in den Forderungen zur Fortsetzung der Exzellenzinitiative deutlich. Anstatt sich dauerhaft um die finanziell prekäre Lage vieler Hochschulen zu kümmern, wird die selektive Finanzierung eines kleinen elitären Zirkels bevorzugt. Wohin das Hochschulwesen damit steuern würde, ist klar: keine Chancen mehr für Hochschulen in den erlauchten Kreis aufzusteigen, sondern ein starres System aus einem kleinen Elfenbeinturm und dem großen unterfinanzierten Rest.

Lehre & Exzellenzinitiative

Gerade die zwei Förderlinien Graduiertenschulen und Forschungscluster machen deutlich wofür die Exzellenzinitiative geschaffen wurde: für die Forschung. Dass die Lehre dabei auch profitieren muss, wird schlichtweg ignoriert. Wissenschaftler*innen, die durch Forschungsprojekte der Exzellenzinitiative gebunden werden, können kaum ihrer Lehrverantwortung nachkommen. Wirklich exzellente Hochschulen können nur geschaffen werden, wenn auch die Einheit von Forschung und Lehre bewahrt wird.  Für uns ist ganz klar: Exzellente Forschung geht nur mit exzellenter Lehre!

Governance an Hochschulen

Die Imboden-Kommission hat in ihrem Bericht eines besonders deutlich gemacht: von demokratischer Mitbestimmung an Hochschulen hält sie nichts. Was sie sich wünscht, sind straffe, wirtschaftlich geprägte Organisationsstrukturen. Eine sogenannte „Elite-Hochschule“ kann in ihren Augen nur funktionieren, wenn sie eine Hochschulleitung hat, die möglichst autonom und effizient entscheiden kann, ohne von anderen Gremien abhängig zu sein. Auch hier ist ersichtlich, welch reaktionären Kräfte immer noch auf manchen Seiten in der Wissenschaftspolitik wirken. Statt zu Orten der gelebten demokratischen Mitbestimmung und der Partizipation aller zu werden, sollen „alte Gremienstrukturen“ abgebaut werden. Es werden sogar extra Töpfe gefordert, über die die einzelnen Hochschulleitungen ganz autonom entschieden dürfen sollen. Auch hier sagen wir wieder deutlich: Mit uns nicht!

Gute Arbeit an Hochschulen

Ein großes Thema, bei dem die Exzellenzinitiative mehr schadet als nützt, ist die Frage nach guter Arbeit in der Wissenschaft. Insbesondere durch die Forschungscluster wurden viele neue Stellen im Wissenschaftsbetrieb geschaffen. Alle haben eins gemein: Sie sind befristet. Mit einer solchen Dauerbefristung für Wissenschaftler*innen insbesondere in der Post-Doc-Phase werden prekäre Verhältnisse geschaffen. Diese Menschen werden sich nie auf ein geregeltes Arbeitsverhältnis einstellen können und alle stehen vor der großen Herausforderung, was mit ihnen passiert, wenn ihr Forschungsprojekt abgeschlossen ist. Auch hier müssen klare Verhältnisse geschaffen werden.

Fazit

Mit dem ignoranten Drängen vieler Wissenschaftspolitiker*innen nach einer Elite im Hochschulwesen wurden einerseits bestehende Probleme verschärft und andererseits auch viele Probleme neu geschaffen, die es vorher so nicht gab. Dass diese in naher Zukunft angegangen werden würden, scheint zweifelhaft. Für uns bleibt dabei nur ein Fazit: Die Exzellenzinitiative war und bleibt der falsche Weg. Sie muss als gescheitert anerkannt werden. Stattdessen muss damit begonnen werden, über die Finanzierung aller Hochschulen und die großen Probleme im Wissenschaftssystem zu reden und sie endlich und langfristige, sozial gerechte Lösungen anzubieten, die in die Breite gehen.

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