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Eine neue Hoffnung

Von guter Arbeit kann an den Hochschulen kaum die Rede sein. Stattdessen überwiegen dort unsichere, prekäre Beschäftigungsverhältnisse. Doch es gibt Hoffnung: nach der enttäuschenden Novelle des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes wagt die SPD einen neuen Anlauf in Sachen gute Arbeit an Hochschulen. So hat die Arbeitsgruppe Bildung und Forschung der SPD Bundestagsfraktion Anfang der Woche ein Positionspapier vorgelegt, das wesentliche Verbesserungen für das Hochschulsystem in der Bundesrepublik fordert.

Vorneweg steht das Postulat, den Bund substantiell und dauerhaft in die Finanzierung der Hochschulen einzubinden. Dabei handelt es sich um eine Forderung, für die die Juso-Hochschulgruppen schon seit langem kämpfen. Von elementarer Bedeutung ist dabei vor allem der dauerhafte Charakter dieser Finanzierung. Der Bund muss Hochschulen langfristig finanzieren, fernab von Pakten und Eliteförderungsprogrammen wie der Exzellenzstrategie.

Ein weiteres großes Problem, das die Juso-Hochschulgruppen in der Vergangenheit bereits kritisiert haben, ist die prekäre Situation von Privatdozent*innen und Lehrbeauftragen an den Hochschulen. Diese leisten zwar einen wichtigen Beitrag zur Lehre an den Hochschulen, müssen diesen aber zu einem großen Teil unbezahlt verrichten. Dieser Praxis ein Ende zu setzen ist ein längst überfälliges Anliegen.

Die Forderung nach einer stärkeren Förderung von Frauen* an den Hochschulen ist dringend notwendig. Gleiches gilt auch für die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, wobei sowohl die Erziehung von Kindern als auch die Pflege von Angehörigen berücksichtigt werden muss. Es darf jedoch nicht der Fehler begangen werden, das Thema familienfreundliche Arbeitszeiten zu einem reinen Frauen*thema zu machen. Alle Geschlechter profitieren von flexibleren Arbeitszeiten und besserer Kinderbetreuung. Es ist nicht allein an den Frauen* sich um bessere Vereinbarkeit zu bemühen, sondern es gilt die Umstände zu ändern, die dazu führen, dass Carearbeit vor allem von Frauen* verrichtet wird. Was für die Angestellten an den Hochschulen gilt, muss aber natürlich auch für Studierende gelten. Auch für sie müssen Maßnahmen ergriffen werden, um eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Studium zu gewährleisten. Dazu gehört zum Beispiel, dass es möglich sein muss, als Teilzeitstudent*in mit familiären Verpflichtungen BAföG zu erhalten.

Auch das Thema Inklusion ist richtigerweise im aktuellen Positionspapier vertreten. Finanzielle Ausgleiche sind sicher notwendig, können aber nicht über grundsätzliche Probleme von Menschen mit Beeinträchtigungen und/oder chronischen Krankheiten an den Hochschulen hinwegtäuschen. Es bedarf einer grundlegenden Sensibilisierung aller Akteur*innen auf allen Ebenen. Sowohl Studierende als auch Mitarbeiter*innen mit Beeinträchtigungen und/oder chronischen Krankheiten müssen in ihrem Alltag immer wieder für ihre Rechte kämpfen und sich erklären. Gelungene Inklusion bedeutet auch, dass es irgendwann selbstverständlich sein muss, dass Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen und/oder chronischen Krankheiten mit ihren jeweiligen Bedürfnissen zusammenarbeiten und sich wechselseitig unterstützen.

 

Das Positionspapier der SPD enthält zusammenfassend viele gute Punkte, die, wenn sie ausgeweitet und konkretisiert werden, eine gute Basis für bessere Arbeitsbedingungen an den Hochschulen bilden. Allerdings dürfen diese guten Ideen nicht, wie in der Vergangenheit zu oft geschehen, aufgeweicht und durch schwammige Formulierungen, die ihre Aushebelung ermöglichen, ersetzt werden. Wir Juso-Hochschulgruppen werden das die Entwicklung weiter kritisch begleiten. 

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