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Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) in der Kritik

Eine Gruppe WissenschaftlerInnen hat Anfang Juli – passend zum 60. Geburtstag – massive Kritik an der DFG geübt. Es müsse viel genauer dargelegt werden, welche Gelder für was und wen ausgegeben werden. Auch sollten sämtliche Anträge und Gutachten einsehbar sein – und zwar in nicht-anonymisierter Form. Und nicht zuletzt müssen Funktionsweise und Verflechtungen der DFG-Gremien transparenter gemacht werden. DFG-Präsident Matthias Kleiner wies die Vorwürfe als „haltlos und absurd“ zurück. Jede/r könne sich ausreichend informieren und darüber hinaus seien bereits Reformen, unter anderem im Bereich der Qualitätssicherung, eingeleitet worden. Allerdings wird das neu von der DFG eingerichtet Institut für Forschungsinformation und Qualitätssicherung auch von ihr selbst finanziert – eine unabhängige Qualitätssicherung ist demnach fraglich.

Die DFG – Struktur, Geschichte, Kritik

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft verteilt Fördermittel von Bund und Ländern an Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen. Die Beträge liegen im Milliardenbereich, alleine im vergangenen Jahr über 2,327 Milliarden Euro. Damit ist die DFG in Deutschland der größte Vergeber von Drittmitteln, die außerhalb der industriellen Auftragsforschung eingeworben werden. Sie ist (aus historischen Gründen)[1] ein privater Verein, was dazu führt, dass sowohl der öffentlich-rechtliche als auch der privatrechtliche Rechtsschutz nicht greifen. Der Vorwurf der KritikerInnen: Die Transparenz bleibe auf der Strecke, die GutachterInnen sowie Gründe für Ablehnungen von Forschungsanträgen oft geheim. DFG-Präsident Kleinert betont, dass Hinweise der GutachterInnen den AntragstellerInnen mitgeteilt werden, auch bei abgelehnten Anträgen „Dies geschieht entsprechend internationaler Gepflogenheiten in anonymisierter Form, um die Unabhängigkeit der Gutachter zu schützen und deren unbestechliches Urteil zu gewährleisten“. Auch der Bundesdatenschutzbeauftragte musste sich vor kurzem mit der DFG befassen, als jemand Zugang zu Berichten über die Bewertung einer Universität in der ersten Runde der Exzellenzinitiative einsehen wollte, ihm dies aber von DFG und Wissenschaftsrat weitgehend verweigert wurde. Der Datenschutzbeauftragte befand dies als rechtens, da die DFG ein privater Verein und daher das Informationsfreiheitsgesetz keine Anwendung fände. Selbst der Bund habe keinerlei Anspruch auf Einsicht.

Die losgetretene Debatte nutzen und die Forschungsfinanzierung diskutieren!

Nicht nur die von den KritikerInnen bemängelte Intransparenz, auch der steigende Einfluss der DFG ist durchaus kritikwürdig. Riesige Geldbeträge über die DFG wettbewerblich an ausgesuchte Forschungsprojekte zu verteilen und gleichzeitig die Grundförderung der Hochschulen zurückzufahren ist ein bewusster Paradigmenwechsel hin zu mehr Wettbewerb und einer Umverteilung von der Breite der Hochschulen hin zu einigen Spitzenforschungsstandorten. Begrüßenswert wäre eine (Rück-)Entwicklung hin zu einer bedarfsdeckenden Grundfinanzierung für alle Hochschulen durch Bund und Länder. Durch die DFG könnte dann lediglich eine Finanzierung von Forschungsprojekten in Sonderbereiche stattfinden, die nicht von der Grundförderung abgedeckt werden und sonst in der Forschungslandschaft untergehen. Also ein Zurückschrauben der wettbewerblichen  Mittelverteilung zugunsten einer gerechteren Grundfinanzierung![2] [Quelle: dpa-Dossier Bildung Forschung Nr. 29/2011 18. Juli 2011]
[1] Dazu hatte man sich bei ihrer Gründung 1951 als Nachfolgeorganisation der von den Nazis gleichgeschalteten Deutschen Gemeinschaft zur Erhaltung und Förderung der Forschung bewusst entschieden, um die politische Einflussnahme möglichst gering zu halten. [2] Vgl. „Für eine gerechte und demokratische Forschungsfinanzierung“, Juso-Hochschulgruppen 2008