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Bologna-Konferenz gescheitert – Schönfärberei überall

Die diesjährige Bologna-Konferenz hätte die Chance gehabt, die Fehler der letzten tatsächlich zu korrigieren. Es hätten konkrete Vereinbarungen getroffen werden müssen, die zu einer tatsächlichen Verbesserung des Übergangs zwischen Bachelor und Master und der Erhöhung der Mobilität geführt hätten. Stattdessen waren Studierende, anders als im letzten Jahr, nicht an der Vorbereitung der Konferenz beteiligt, konnten keine Themen setzen, keine Einladungen aussprechen, sondern wurden vor eine vollendete Organisation gestellt. Der Ablauf der Konferenz sprach dann auch Bände für das Problembewusstsein der Akteure. Die Bundesbildungsministerin, die VertreterInnen der KMK, der Wirtschaft und der Hochschulen sahen einmütig Fortschritte seit der letzten Konferenz und spielten die Probleme beim Übergang zwischen Bachelor- und Masterstudium herunter. Die Berufsperspektiven seien genauso gut, wie für die AbsolventInnen der alten Studiengänge. Die Bundesbildungsministerin stellte lediglich in Aussicht, dass die Frage der Masterstudienplätze in der dritten Phase des Hochschulpaktes „eine Rolle spiele“. Die Einwände der Studierenden, dass Zugangshürden insbesondere auch im Übergang von Bachelor und Master bestehen sowie der Berufseinstieg nur unter prekären Beschäftigungsverhältnissen gelingt, wurden noch nicht einmal diskutiert. Die Studierenden als primär betroffene Gruppe wurden nicht adäquat am Verlauf der Diskussion beteiligt, sodass kritische Beiträge in der Minderzahl waren. Für die Juso-Hochschulgruppen sind die Ergebnisse allesamt enttäuschend. Weder ist es gelungen, konkrete Vereinbarungen zwischen den Beteiligten zu treffen, noch sind die Probleme im Bologna-Prozess wirklich diskutiert worden. Die mit großer medialer Begleitung vorgestellten Studien geben keine solide Datenbasis, um die tatsächliche Situation beim Übergang abschließend beurteilen zu können. So lange sich die Beteiligten aus Bund, Ländern und Hochschulen nicht bewegen, werden die Konferenzen keine Verbesserung der Situation an den Hochschulen und bei den Studierenden bringen. Den schönen Worten in der Vergangenheit sind bis jetzt kaum Taten gefolgt. Wir Juso-Hochschulgruppen fordern vor dem Hintergrund der Bologna-Konferenz alle Beteiligten auf, die studentischen Forderungen aus dem Vorfeld der Konferenz umzusetzen. Wir fordern daher:
  • Eine unverzügliche Erhebung von Daten, die die tatsächliche Situation von BachelorabsolventInnen beschreiben können. Die letzten Studien zu dieser Frage sind an der viel zu geringen Fallzahl und an methodischen Unzulänglichkeiten gescheitert.
  • Ein Abbau der Zugangshürden zu einem Masterstudium. Hochschulen dürfen nicht über den generellen Bachelorabschluss hinaus Zugangskriterien verlangen, wie bestimmte Modulpunkte, bestimmte Noten, bestimmte Regelstudienzeiten etc. Ein solches Verbot muss in einem Bundeshochschulzulassungsgesetz geregelt werden, das vom BMBF unverzüglich vorgelegt werden muss. Darüber hinaus fordern wir einen generellen Rechtsanspruch für BachelorabsolventInnen auf einen Masterstudienplatz.
  • Ein Ausbau der Masterstudienplätze. Die zahlenmäßig starken Jahrgänge der Bachelorstudiengänge kommen erst in den nächsten Jahren an die Schwelle zum Master. Für diese Studierenden ist bisher keine Vorsorge getroffen. Die Ankündigung von Frau Schavan nehmen wir zur Kenntnis.
  • Eine inhaltliche Reform der Bachelorstudiengänge mit dem Ziel, den Bachelor tatsächlich berufsqualifizierend zu gestalten.
  • Der öffentliche Dienst muss die neue Studienstruktur ebenfalls nachvollziehen. Der Bachelorabschluss darf nicht länger ein Abschluss zweiter Klasse sein, sondern muss hinsichtlich der Vergütung und der Aufstiegschancen den traditionellen Studienabschlüssen gleichgestellt werden. Die Bundesbildungsministerin ist in der Pflicht eine entsprechende Initiative auch wirklich zu verfolgen und nicht nur Gespräche mit dem Bundesinnenminister anzukündigen.
  • Eine tatsächliche Ermöglichung der Mobilität aller Studierenden. Jeder / Jeden soll es möglich sein, den Hochschulstandort zeitlich begrenzt oder dauerhaft zu wechseln, um neue Erfahrungen zu sammeln.
Eine erneute Bologna-Konferenz halten wir nur für sinnvoll, wenn sich in den angesprochenen Bereichen wirkliche Fortschritte beobachten lassen. Unter den Rahmenbedingungen der diesjährigen Konferenz  ist eine studentische Beteiligung daran so wirkungs- wie sinnlos.