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Nie wieder brennende Bücher - Nie wieder Faschismus

Dies war ein Vorspiel nur; dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.“ Dieser Satz aus Heinrich Heines Tragödie „Almansor“ (1821) wurde in Deutschland tragische Wirklichkeit. Eine Wiederholung der schrecklichen Ereignisse während der NS-Herrschaft darf es nie geben! Bücherverbrennung 1933 Am 10. Mai 1933 verbrannten nationalsozialistische Studierende, Burschenschaftler, Verbände von SA, SS und der Hitlerjugend sowie Professoren allein in Berlin über 25.000 Bücher. Insgesamt fanden bis Oktober 1933 in über 50 Städten solche Bücherverbrennungen statt. Verbrannt wurden alle Schriften die als „undeutsch“ galten. Das waren hauptsächlich Werke jüdischer, kommunistischer, pazifistischer, demokratischer oder sozialistischer Schriftstellerinnen wie Rosa Luxemburg, Heinrich Mann, Anna Seghers, Karl Marx, Nelly Sachs, Erich Kästner, Sigmund Freud, Erich Maria Remarque, Carl von Ossietzky, Kurt Tucholsky, Bertold Brecht und über 100 weiterer AutorInnen. Organisiert und durchgeführt wurde diese Bücherverbrennungen von der „Deutschen Studentenschaft“ und dem „Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund“ unter reger Beteiligung von Burschenschaftlern und anderer korporierter Studenten. Sie waren der Versuch der endgültigen „Gleichschaltung“ der Wissenschaft, die bereits zu Zeiten der Weimarer Republik antiliberale und nationalkonservative Tendenzen, vor allem in den Geistes- und Rechtswissenschaften, aufwies. Gleichzeitig sollten sie der Vernichtung allen Gedankenguts, das nicht den menschenverachtenden Ansichten der Nazis entsprach, dienen. Es war der Auftakt zur Verfolgung unzähliger Intellektueller, die daraufhin zum überwiegenden Teil flohen oder während den Jahren der NS-Herrschaft ermordet wurden. Erschreckend ist aus heutiger Sicht auch, wie wenig Widerstand es in der Gesellschaft und an den Universitäten gegen diese Ereignisse gegeben hat und wie schnell sich Forschung und Wissenschaft der nationalsozialistischen Ideologie angepasst haben. Rolle der studentischen Verbindungen für den Nationalsozialismus  Besonders viele Burschenschaften tragen bis heute einen Opfer-Mythos vor sich her. Vielmehr leisteten gerade Burschenschaftler in der ohnehin sehr nationalsozialistisch-freundlich eingestellten Studierendenschaft ideologische Hilfestellung. Schon 1920 verbot zum Beispiel der Korporationsverband „Deutsche Burschenschaft“ (DB), Juden aufzunehmen. Er führte einen Art „Arierparagraphen“ ein. Im Jahr 1921 erreichte bereits der „Hochschulring Deutscher Art“, in dem die meisten Korporationen organisiert waren, bei der Mehrzahl der Studierendenschaftswahlen die absolute Mehrheit. Es existierten auch ein paar Ausnahmen: So waren die jüdischen Verbindungen wirklich Opfer des Nationalsozialismus geworden. Der Burschentag 1932 hingegen forderte die Machtübergabe an Adolf Hitler – entsprechend positiv fiel die Reaktion auf das nationalsozialistisch-konservative Bündnis 1933 aus. Einen inhaltlichen Dissens oder Widerstand gab es in diesen Reihen nicht. Viele Burschenschaftler wollten sich lediglich nicht in den „Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund“ (NSDStB) mit ihren Alleinvertretungsanspruch eingliedern, sondern ihre Tradition fortsetzen. Es dauerte eine Weile bis sich fast alle zum Teil mit Druck durch nationalsozialistische Mitglieder selbst auflösten – der DB folgte im Oktober 1935. So waren die Erlässe von Rudolph Heß 1936 und das Verbot 1938 von Heinrich Himmler nur noch Makulatur. Viele der ehemaligen Burschenschaftler hatten längst auf eine nationalsozialistische Karriere eingeschwenkt. Bis heute setzen sich die großen Verbände nicht kritisch mit ihrer Geschichte auseinander, sondern stilisieren sich als vermeintliche Opfer des Nationalsozialismus.       Rolle der Wissenschaft im Nationalsozialismus Die Wissenschaft im Nationalsozialismus hatte einen besonderen Stellenwert. Sie wurde von den Nationalsozialisten sehr früh „gleichgeschaltet“. Eine der ersten Maßnahmen zur „Gleichschaltung“ war das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ im April 1933. Das Gesetz führte zur Entlassung jüdischer und regimekritischer Beamter. Der Ausschluss all jener, die nicht in das nationalsozialistische System passten, aus nahezu allen Bereichen der Wissenschaft, führte dazu, dass bis zum Ende der nationalsozialistischen Herrschaft mehr als zwei Drittel aller HochschullehrerInnen Mitglied der NSDAP waren. Dies schlug sich sehr deutlich in der Ausrichtung der Wissenschaft nieder, die sich nun zu großen Teilen mit dem NS-Regime arrangierte. Beispielsweise Rüstungs- und Militärforschung, sozialdarwinistische und rassistische Theorien in der Biologie, sowie revisionistische Geschichtsforschung lieferten scheinbar wissenschaftliche Grundlagen für die nationalsozialistischen Ideologien und die zahllosen Verbrechen an der Menschheit. Studentenverbindungen und rechte Tendenzen heute Noch heute berufen sich Studentenverbindungen noch immer auf das Wartburgfest 1817, in dessen Rahmen bereits über 100 Jahre vor dem Nationalsozialismus in Deutschland eine Verbrennung von Büchern unliebsamer AutorInnen stattfand. Auch wenn zahlreiche Studentenverbindungen ihre Beteiligung an den Bücherverbrennungen und ihre Verbindungen zum Nationalsozialismus versuchen abzustreiten oder sich ihrer gar nicht bewusst sind, so hat doch ein Großteil der heutigen Studentenverbindungen nach wie vor nationalistische, militaristische und chauvinistische Grundhaltungen. Einige Studentenverbindungen sind sogar ganz offen stolz auf ehemalige Mitglieder, die in den Weltkriegen zu Kriegsverbrechern geworden sind. Andere versuchen die Aufklärung über das Verbindungswesen zu verhindern, indem sie diejenigen, die ihrem Treiben nicht stillschweigend zusehen, versuchen einzuschüchtern. Nicht nur in studentischen Verbindungen, sondern in der gesamten Gesellschaft sind rechte Einstellungen und der Wunsch nach Autokratie immer stärker verbreitet, wie beispielsweise die Studie „Vom Rand zur Mitte“ von der Friedrich-Ebert-Stiftung belegt. Dies gibt Grund zur Sorge und zeigt, dass es dringend an der Zeit ist, diesen Tendenzen etwas entgegen zu setzen. Prävention und Intervention Mit der NS-Vergangenheit Deutschlands wurde sich auch über 65 Jahre nach dem Ende der Schreckensherrschaft der Nazis noch zu wenig kritisch in einer gesamtgesellschaftlichen, öffentlichen Debatte auseinandergesetzt. Doch diese Auseinandersetzung ist ein wichtiger Schritt, damit das Vergangene nicht in Vergessenheit gerät und sich die Geschichte nicht wiederholen kann. Es ist eine wichtige Aufgabe für alle gesellschaftlichen Akteure, eine solche Debatte anzuregen und Projekte ins Leben zu rufen, die diesen Prozess unterstützen und begleiten. Die so genannte Extremismusklausel der schwarz-gelben Bundesregierung lehnen wir klar ab. Sie sät Misstrauen zwischen den Initiativen und ruft zur gegenseitigen Bespitzelung auf. Damit be- und verhindert sie das so dringend benötigte Engagement gegen Rechts. Statt der Kriminalisierung von Engagement gegen Rechts fordern wir einen deutlichen Ausbau der Förderung von neuen Initiativen und die Verstetigung der Förderung von Projekten, die bereits bestehen. Begleitet werden muss der Kampf gegen Rechts durch Kampagnen, die für eine tolerante, offene und demokratische Gesellschaft werben und sich gegen jede Form der Menschenfeindlichkeit richten. Denn nur eine selbstbewusste demokratische und tolerante Gesellschaft kann eine wirkliche Sicherheit gegen die Verbreitung rechten Gedankenguts gewährleisten. Gegen das Vergessen Wir rufen dazu auf, sich an Mahn- und Gedenkaktionen zur Bücherverbrennung zu beteiligen oder selbst öffentliche Aktionen wie Lesungen oder Mahnwachen zu initiieren, damit Gesellschaft und Wissenschaft an die schrecklichen Geschehnisse erinnert werden und sie ermahnt werden, nie wieder Teil einer so menschenverachtenden Ideologie zu werden.  Gleichzeitig fordern wir dazu auf, sich jedweden rechten Tendenzen entschlossen entgegenzustellen und sich konsequent antifaschistisch zu engagieren und für eine tolerante demokratische Gesellschaft zu werben. Auch und gerade im Bewusstsein der Vergangenheit sprechen wir uns gegen jede Zusammenarbeit mit  studentischen Verbindungen und Organisationen aus, die mit ihnen direkt zusammenarbeiten. Wir Juso-Hochschulgruppen bekräftigen unsere Position: Wir halten auch weiterhin eine Mitgliedschaft von Corporationsstudierenden in Juso-Hochschulgruppen für unvereinbar mit den Prinzipien des Verbandes Freiheit, Gleichheit und Solidarität. Die Juso-Hochschulgruppen wirken weiterhin aktiv auf einen erneuten Unvereinbarkeitsbeschluss der SPD in Bezug auf Corporationsmitglieder hin. Darüber hinaus werden wir uns als Juso-Hochschulgruppen dafür einsetzen, dass rechtes Gedankengut an unseren Hochschulen keinen Platz erhält und zu keiner Zeit und in keiner Form geduldet wird. Dazu werden wir Aufklärungsarbeit über Studentenverbindungen und deren politische Ziele leisten und uns dafür einsetzen, dass Studentenverbindungen keine Akzeptanz an Hochschulen genießen. Wir wirken daraufhin, dass Studentenverbindungen das Tragen ihrer „Farben“ und die Durchführung von Veranstaltungen an unseren Hochschulen untersagt werden.