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Wer sind eigentlich die Opfer?

Mit der Vorstellung einer Studie am letzten Freitag hat der „Convent Deutscher Akademikerverbände“ (CDA), der Dachverband der Verbindungen in Deutschland, nun veröffentlicht, was zuvor bereits in der FAZ zu lesen war. 102 Straftaten hat der Dachverband für Deutschland und Österreich aufgelistet, wobei die Definition des „Straftatbestandes“ der Definition des CDA unterliegt. So findet sich unter den so genannten Straftatbeständen auch die Berichterstattung über Christoph Alhaus’ Mitgliedschaft in einer Heidelberger Verbindung oder der Rhein-Main-Kommers im letzten Jahr. Obwohl in 82 Fällen Anzeige erstattet wurde, kam es bisher zu keinen Gerichtsverfahren, „auch wenn die Personalien der Täter bekannt sind“, wie es in der Studie heißt. Was Rückschlüsse auf die Schwere der so genannten Straftaten zuließe, nimmt der CDA jedoch als Zeichen für ein mangelndes Interesse der Ermittlungsbehörden. Vorsorglich forderte deshalb der CDU-Innenpolitiker Uhl in der FAZ schon mal, „die Unversehrtheit der Korporationen zu schützen.“ Aus der so genannten „Studie“ eine Gewaltwelle von Linksextremisten zu lesen, ist einfach absurd. Vielmehr handelt es sich um einen extrem durchsichtigen Versuch, die Verbindungen als Opfer dazustellen, was sie offenkundig nicht sind – stattdessen ist eine Auseinandersetzung mit ihrem Denken und Handeln wichtiger denn je. Die gelebte Machokultur, die Ausgrenzung von AusländerInnen, Rituale und Nationalismus hinterlassen nachprüfbar mehr Leid und Schrecken als die aufgeführten „Straftaten“ in ihren gesteigerten Erscheinungsformen bereits viele Menschenleben gefordert. Wenn AusländerInnen durch Straßen gehetzt oder im Alltag diffamiert werden, wenn Frauen Opfer häuslicher Gewalt werden und wenn Menschen sich der Ehre wegen duellieren, sind Traditionen am Werk, auf die sich Verbindungen allzu gern berufen. Aber das wird erwartungsgemäß in der Studie nicht thematisiert.