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StipendiatInnen oft aus Akademikerfamilien

Zur Zeit werden in Deutschland etwa 20.000 StipendiatInnen von elf Begabtenförderungswerken unterstützt. Da die Stiftungen von unterschiedlichen Parteien, Kirchen und Sozialpartnern getragen werden bzw. politisch und weltanschaulich unabhängig sind, sollten sowohl die Werke selber als auch die Stipendiatinnen und Stipendiaten die Pluralität unserer Gesellschaft widerspiegeln. In den werksspezifischen Auswahlverfahren, die alle sowohl fachliche Leistung als auch Persönlichkeit und gesellschaftliches Engagement beachten, scheinen sich aber vor allem junge Menschen aus Akademikerfamilien durchsetzen zu können. Bei zwei Dritteln von ihnen hat mindestens ein Elternteil auch studiert, was unter allen Studierenden im Erststudium lediglich auf jede/n zweite/n zutrifft. Studierende an Fachhochschulen werden verhältnismäßig selten gefördert. Obwohl die Quote bei den Studierenden im Erststudium 30% beträgt liegt sie bei den StipendiatInnen lediglich bei 8%. Die mit durchschnittlich 23 Jahren eher jüngeren Geförderten sind auch selten schon Eltern, obwohl sie überproportional oft bereits das Elternhaus verlassen haben. Gerade die Geförderten, die aus hochschulfernen Familien kommen, müssen oft trotz der finanziellen Förderung noch arbeiten, da sich die Höhe der Förderung am BAföG orientiert und häufig nicht ausreichend ist bzw. durch das allseits bekannte Mittelstandsloch einige Studierende gar keine finanzielle Unterstützung (abgesehen vom Büchergeld) bekommen, obwohl die Eltern nicht in der Lage sind, das Studium komplett zu finanzieren. Die leistungsbezogenen Kriterien für die Aufnahme in die Begabtenförderung führen also offenbar dazu, dass im Bewerberpool überdurchschnittlich viele Studierende mit akademischem Hintergrund sind, so dass hochschulnaher Herkunftsgruppen eindeutig überrepräsentiert sind. Diese Tatsache zeigt einmal mehr, dass ein auf Stipendien basierendes Studienfinanzierungssystem keine Alternative zum BAföG sein kann, denn gerade diejenigen, die eine Unterstützung besonders nötig haben, fallen in diesem System überdurchschnittlich oft durchs Raster.