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Das Problem ist die deutsche Angst vor Flexibilität

Zum Ende der GEW-Wissenschaftskonferenz „Endstation Bologna? Zehn Jahre europäischer Hochschulraum“ erklärt Kerstin Rothe vom Bundesvorstand der Juso-Hochschulgruppen: „Das Thema ist brisant. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft diskutierte auf ihrer Wissenschaftskonferenz, welche Verbesserungen in Forschung und Lehre der Bologna-Prozess in den letzten zehn Jahren gebracht hat. Die Ergebnisse sind ernüchternd, insbesondere, wenn man sich die typisch deutsche Umsetzung der ursprünglichen Ziele anschaut, die in den Papieren zur Schaffung eines europäischen Hochschulrahmens formuliert sind. Aufgrund der immensen Regelungswut, die an deutschen Hochschulen herrscht, sind die unterschiedlichsten Studiengänge entstanden, die größtenteils ohne ernsthafte Reformen und ganz bestimmt nicht mit neuen, kreativen Ansätzen in ein bürokratisches Konzept gezwängt wurden. Ein Bachelor dauert unabhängig von einer sinnvollen Konzeptionierung sechs Semester, Module wurden festgezurrt, die zugehörigen Prüfungen bis ins Kleinste ausbuchstabiert und der wird einem verwehrt, wenn man sich fachlich in eine leicht andere Richtung orientieren möchte. Mit Flexibilität hat das Ganze nichts zu tun. Die Folgen sind fatal. Die soziale Selektion wird verschärft und die jungen Menschen, die es bis an die Hochschule geschafft haben, werden von dem bürokratischen Monster „Deutsche Hochschule“ überrollt. Dies bestätigt auch die von der GEW in Auftrag gegebene und auf der Konferenz vorgestellte Studie „Der Bologna-Prozess zwischen Anspruch und Wirklichkeit“, in der von Bulimie-Lernen, hohen Abbrecherquoten und zunehmenden gesundheitlichen Problemen bei Studierenden die Rede ist. Wir Juso-Hochschulgruppen fordern, dass diese Entwicklung mit all ihren Problemen endlich ernst genommen und eine radikale Reform eingeleitet wird. Diese Reform darf sich diesmal aber nicht von der Angst vor Flexibilität und emanzipierten Studierenden leiten lassen. Nun gilt es, dass sich Studierende, Gewerkschaften und Dozierende an einen Tisch setzen und auf Augenhöhe Hochschulkonzepte entwickeln, die den zuvor formulierten guten Ideen gerecht werden. Unsere Forderungen nach einem freien Zugang zum Master, einer Verbesserung und Flexibilisierung der staatlichen Studienfinanzierung sowie die finanzielle Stärkung der Hochschulen sind dabei ganz zentrale Eckpunkte.“