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Meinen Sie es ernst, Frau Schavan!

Die Diskussion um eine Kurskorrektur des bisherigen Bologna-Prozesses ist längst überfällig. Wir sehen jedoch das morgige Gespräch nüchtern und werden uns nicht für eine Jubelveranstaltung für den kommenden Wahlkampf der CDU/CSU instrumentalisieren lassen. Selbst ihren eigenen Reihen ist die in ihrer Amtszeit blasse und umstrittene Ministerin durch Konzeptlosigkeit unangenehm aufgefallen und selbst bei ihrer Kanzlerin scheint das Vertrauen verloren. Der Bologna-Prozess ist in seiner deutschen Umsetzung gescheitert und hat Studierende als Versuchskaninchen für ein unfertiges Projekt missbraucht. Damit die Studierenden nicht die Leidtragenden sind, ist es deshalb dringend geboten Korrekturen vorzunehmen, die wir auch in dem morgigen Gespräch ansprechen werden. Die bisherige starre Studiendauer von sechs bzw. sieben Semestern beim Bachelor-Studiengang ist nicht förderlich.  Acht Semester müssen hier der Regelfall und studiengangspezifisch flexibel gestaltbar sein. Außerdem ist die durch die starke Verschulung eingetretene Prüfungslast für Bachelor-Studierende untragbar und in vielen Fällen nicht notwendig. Auch der Übergang von Bachelor auf Master darf keine weitere Selektionshürde bilden. Wir fordern einen Rechtsanspruch für Bachelor-AbsolventInnen auf einen Masterstudienplatz, damit allen Studierenden die gleichen Chancen geboten werden, auch nach dem Bachelor das Studium weiterzuführen, fernab von sozialem oder finanziellen Hintergrund. In diesen wie auch vielen weiteren Punkten ist eine umfassende Reform der Reform dringend notwendig. Deshalb fordern wir Frau Schavan auf, das morgige Gespräch ernst zu nehmen und anschließend konkrete Schritte einzuleiten. Ein notwendiger Schritt kann es sein, in Kooperation mit Ländern und Hochschulen eine Woche zu initiieren, in der an allen Hochschulen über die Korrekturen und Weiterentwicklung des bisherigen Prozesses diskutiert und Korrekturen vor Ort eingeleitet werden. Für weitere verlorene Monate ohne eine deutliche Korrektur des bisherigen Kurses bleibt keine Zeit mehr.