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Die Ziele des Bologna-Prozesses verwirklichen – kein Missbrauch zum Studienplatzabbau!

Nach den Vorgaben des Bologna-Prozesses werden an deutschen Hochschulen immer mehr Studiengänge auf die neue Struktur von Bachelor und Master umgestellt. Die universitäre Bildung darf nicht auf den Bachelor-Abschluss beschränkt werden, denn ein sechssemestriger Bachelor-Studiengang kann nicht in einem ausreichenden Maß wissenschaftlich ausgerichtet sein und zugleich die notwendigen Freiräume für eine umfassende Persönlichkeitsentwicklung bieten. Nicht umsonst ist deshalb unter Studierenden die Einschätzung verbreitet, dass der BA quasi das alte Grundstudium darstellt und das Hauptstudium erst mit dem Master absolviert wird. Es ist unabdingbar, dass die Umstellung nicht dazu genutzt wird, Studienzeiten zu verkürzen. Genau das wird aber derzeit von einigen bildungspolitischen Akteuren versucht. Zum Teil wird eine Leistungsselektion nach dem Bachelor gefordert, das heißt, dass nur noch ein vorher festgelegter Anteil der Bachelor-AbsolventInnen einen Master-Studienplatz erhält, wobei Leistungskriterien über die Auswahl entscheiden. Dadurch soll der Druck auf Studierende erhöht werden, sich ausschließlich auf die Pflichtanforderungen ihres Studiums zu konzentrieren. Ein Studium über die Pflicht-Leistungen des eigenen Studiengangs hinaus, also ein „Blick über den Tellerrang“, führt zu schlechteren Ergebnissen oder längeren Studienzeiten und verhindert so die Zulassung zum Master. Dies stellt zudem auch eine weitere soziale Hürde dar, denn der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungschancen ist bewiesen. Hochschulabschlüsse stellen zudem auch immer eine Selektion nach Geschlecht dar: Während noch die Hälfte der StudienanfängerInnen weiblich sind, nimmt der Anteil an Frauen mit jeder weiteren Stufe bis hin zur Vollzeitprofessur kontinuierlich ab. Wird ein neuer Abschluss eingeführt besteht die Gefahr, dass sich diese Tendenz verstärkt. Ein Rechtsanspruch wirkt dieser Verschärfung der Situation entgegen. Die Juso-Hochschulgruppen lehnen eine solche Auswahl ab. Der Übergang von Bachelor zum Master darf nicht zur zusätzlichen Hürde im Bildungssystem werden. Außeruniversitäres Engagement und ein Studium über die Pflichtanforderungen des eigenen Studiengangs hinaus sind zur Persönlichkeitsbildung notwendig und sinnvoll. Beides darf kein ‚Aussieb-Kriterium’ sein. Alle Studierenden mit Bachelor-Abschluss müssen deshalb einen Rechtsanspruch auf einen Master-Studienplatz erhalten. Mit der Forderung nach einem Rechtsanspruch sind aber noch nicht alle Fragen gelöst. Insbesondere die Ausgestaltung und unsere weiteren Anforderungen an die neuen Studiengänge müssen weiter diskutiert werden. Dabei könnten folgende Fragen im Mittelpunkt stehen:
  • Welche Kriterien müssen erfüllt sein, damit ein Studiengang für den Beruf bzw. das Berufsleben qualifiziert?
  • Welche Kriterien müssen erfüllt sein, damit ein Studiengang ein wissenschaftliches kritisches Basiswissen vermittelt, das emanzipatorischen Ansprüchen genügt?
  • Welche Maßnahmen könnten dazu führen, dass BA-Studiengänge diesen Anforderungen entsprechen?
  • Wie kann trotz berufsqualifizierender Ausrichtung der Nachwuchs für die Wissenschaft sichergestellt werden?
  • Ist eine Regelstudienzeit von 8 Semestern für den Bachelor sinnvoll?
  • Welche Funktion soll der Master (zwischen Bachelor und Promotion) haben?
  • Wie können die neuen Studiengänge am besten in die berufliche Bildung integriert werden?
  • Wie könnten Übergänge zwischen Fachhochschule und Universitäts-Bachelor gestaltet werden?
  • Wie stehen die Studiengänge mit dem Ziel Staatsprüfung/ -Examen zu dem BA/MA-System?
  • Wie muss ein Rechtsanspruch auf ein MA-Studium für Bachelor-AbsolventInnen ausgestaltet sein?
Diese Fragen wollen wir weiter diskutieren und auf dem Bundeskoordinierungstreffen 2008 zu differenzierten Antworten kommen. Beschluss als pdf