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Wer Elternzeit sagt, muss auch Pflegezeit sagen!

Pflegefreistellung ist auch eine Frage der Geschlechtergerechtigkeit. Zur Debatte um die Pflegezeit erklären der Juso-Bundesvorsitzende Björn Böhning und die stellvertretende Juso-Bundesvorsitzende Claudia Bogedan: Wer Elternzeit will, muss auch die Pflegezeit unterstützen. Die Pflegezeit ist eine wichtige Ergänzung des Pflegesystems und schafft Erleichterung für Millionen Frauen und Männer, deren Angehörige überraschend zum Pflegefall geworden sind. Die Union und Frau von der Leyen aber hüllen sich in Schweigen und zeigen damit ihr Janusgesicht: Pflegezeit bedeutet wie Elternzeit ein Beitrag zur Geschlechtergerechtigkeit. Die CDU bleibt hier konservativ verknöchert, wenn sie Pflegepolitik auf Kosten der Frauen macht. Denn mehr als 90 Prozent derjenigen, die privat pflegen und darüber hinaus keine weitere oder nur eine geringfügige Beschäftigung haben, sind Frauen. Und der Bedarf an Pflege steigt: Der Anteil der über 80-jährigen, die ein besonders hohes Risiko haben, Pflegefall zu werden, wächst unaufhaltsam. Die Pflegezeit, wie sie Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt plant, ist deshalb ein erster wichtiger Schritt. Sie lässt sich leicht und schnell im bestehenden System integrieren und schafft so eine augenblickliche Entlastung für die Betroffene. Aber: Ohne den Staat geht es nicht. Es braucht mehr und andere Formen der staatlichen Fürsorgearbeit. Diese reichen von der kommunal organisierten Einkaufshilfe bis zur examierten Altenpflege. Der Weg, der in der Kinderbetreuung nur gegen Widerstände beschritten werden konnte, muss in der Pflege fortgesetzt werden. Wer sich nicht zur Pflegezeit bekennt, macht Politik gegen jene Frauen und Männer, die diese gesamtgesellschaftliche Aufgabe dann individuell schultern müssen.