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Kurt Schumacher und das andere Deutschland

Es war keine gewöhnliche Gruppe, die in der ersten Juliwoche in der Heidelberger Altstadt zu sehen war: Unter dem Motto „Kurt Schumacher und das ‚andere Deutschland’ – dafür sorgen, dass sich die Schrecken der Vergangenheit nicht wiederholen“ waren zwölf Israelis und Palästinenser im Alter von 17-22 Jahren zu Gast bei den Jungsozialisten. Die TeilnehmerInnen der deutsch-israelisch-palästinensischen Begegnung, die vom Willy-Brandt-Zentrum Jerusalem und dem Juso-Kreisverband Heidelberg in Zusammenarbeit mit dem Juso-Landesverband Baden-Württemberg organisiert wurde, waren VertreterInnen der israelischen Young Labor und Young Meretz sowie der palästinensischen Fatah-Jugend. Anknüpfend an ein erfolgreiches Seminar des WBZ und der Jusos Bonnn/Münster mit dem Titel „Wer war Herbert Frahm alias Willy Brandt?“ im vergangenen Jahr, sollte in Heidelberg die Auseinandersetzung mit der Person Kurt Schumachers und seiner Vorbildfunktion im Kampf gegen den Nationalsozialismus verbunden mit seinem Eintreten für Frieden und Demokratie im Mittelpunkt stehen. Auf dem Seminarprogramm standen daher eine Wiederholung der deutschen Vor- und Nachkriegsgeschichte, insbesondere der Weimarer Zeit, in der Kurt Schumacher als politischer Redakteur und später als Landtags- und Reichstagsabgeordneter einer der ersten, schärfsten und weitsichtigsten Kritiker der NSDAP war. Besonders interessiert zeigten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Leidenszeit Kurt Schumachers im Konzentrationslager, welche durch eine Gruppenbesichtigung des ehemaligen KZs Ulm/Oberer Kuhberg einen besonders lebendigen Eindruck erhielt. Bei der Beschäftigung mit dem bewegten Leben Kurt Schumachers kam es immer wieder zu der Frage, wie viel der Einzelne leisten kann, wie und mit welchen Mitteln für Demokratie und Frieden gekämpft werden muss. Dabei spielte der Nahost-Konflikt in der Diskussion eine große Rolle. Für die deutschen Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren die persönlichen Berichte und Erzählungen der jungen Menschen aus der Krisenregion teilweise sehr erschütternd und stellten den Zusammenhalt der Gruppe vor eine besondere Herausforderung. Für einige der Israelis und Palästinenser war der Besuch in Heidelberg der erste Auslandsaufenthalt ihres Lebens. Die gemeinsame Stadterkundung, die geselligen Abende in der Altstadt und der Ausflug zum Landtag in Stuttgart schweißten die Gruppe über die inhaltliche Zusammenarbeit während des Seminars hinaus zusammen und trug dazu bei, dass die anfängliche Skepsis zwischen Israelis und Palästinensern verringert werden konnte. Der zweite Teil des Austauschprojekts, das von dem Fonds „Erinnerung und Zukunft“ des Vereins MitOst, ConAct und dem Kinder- und Jugendplan 2007 gefördert wird, wird in Jerusalem stattfinden. Hier soll es vor allem um die Diskussion des Nahost-Konflikts und die Lehren, die aus dem Leben und den Visionen Kurt Schumachers für eine friedenspolitische Lösung gezogen werden können, gehen. Das Wiedersehen wird von allen Seiten mit großer Vorfreude und Spannung erwartet.