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Der Exzellenzspuk ist noch lange nicht vorbei

Diese wird dann nach Bekanntgabe der Ergebnisse im Oktober mit einem finanziellen Zuschuss ausgezeichnet. Parallel dazu hat der Berliner Senator für Bildung, Wissenschaft und Forschung sowie KMK-Präsident Jürgen Zöllner, gleichzeitig auch Vorsitzender der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung, vor einigen Monaten einen Exzellenzwettbewerb für die Lehre gefordert. Ein genaues Konzept, wie die Hochschulen mit der vermeintlich besten Lehrtätigkeit ermittelt werden sollen bzw. wann diese Initiative starten soll, steht noch nicht fest. Klar ist jedoch, dass ein derartiger Wettstreit ähnliche Auswirkungen in Form einer Spaltung der deutschen Hochschullandschaft hätte wie die derzeit laufende forschungszentrierte "Exzellenzinitiative" sie haben wird. Als begrüßenswert kann zunächst noch empfunden werden, dass endlich überhaupt der Blick auf die Lehre gelenkt und nicht mehr nur allein die Forschung als förderungswürdig angesehen wird. Um die Einheit von Forschung und Lehre zu stabilisieren, ist es wichtig, für qualitativ hochwertige Lehre dieselbe Anerkennung wie für qualitativ hochwertige Forschung erlangen zu können. Ein erster problematischer Aspekt ist jedoch, dass die Investitionen nur punktuell erfolgen. Nur einige wenige Standorte sollen finanzielle Zuschüsse erhalten, sodass auch nur eine verschwindend geringe Zahl von Studierenden tatsächlich in den Genuss der Verbesserungen kommt. Die oftmals unzureichende sowohl technische als auch personelle Ausstattung deutscher Hochschulen sowie die zu erwartende Steigerung der StudienanfängerInnenzahlen machen eine Breitenförderung unumgänglich. Nur so kann dem Problem der chronischen Unterfinanzierung wirksam begegnet werden. Darüber hinaus ist der der "Exzellenz in der Lehre"-Initiative zugrunde liegende Wettbewerbsgedanke abzulehnen. Die Förderung nur einiger weniger Hochschulen würde die ohnehin schon bestehenden Unterschiede nur noch unnötig verschärfen. Handlungsbedarf besteht aber genau in die andere Richtung: Allen Hochschulen muss die Optimierung ihrer Lehre ermöglicht werden, um die bereits bestehende Schieflage auszugleichen und alle Studierenden an den verbesserten Bedingungen teilhaben zu lassen. Es versteht sich von selbst, dass dazu erhebliche finanzielle Mittel erforderlich sind. Auch gilt es zu berücksichtigen, dass von einer derartigen Initiative eine Reduzierung der Fächervielfalt zu erwarten sein wird, da eine Einzelförderung, wie sie dort angedacht ist, notwendigerweise nicht allen Disziplinen zugute kommen kann. Es ist zu befürchten, dass vor allem die so genannten "Orchideenfächer" und die kritischen Wissenschaften die Leidtragenden sein werden. Genau diese gilt es aber zu schützen. Zunächst ist angedacht, die Bewertung der Lehre mittels Lehrevaluationen zu bewerkstelligen. Die flächendeckende Etablierung einer Möglichkeit für Studierende, ihre Dozierenden regelmäßig zu beurteilen, ist generell zu befürworten. Dafür müssen die bereits bestehenden Evaluationssysteme ausgebaut und deren Ergebnisse öffentlich zugänglich gemacht werden. Die Lehrenden haben dabei eine Bewertung ihrer Tätigkeit aktiv zu fördern. Sie dürfen nicht durch die Ausübung von Druck auf die Studierenden instrumentalisiert werden. Es muss aber auch die Perspektive der Dozierenden selbst berücksichtigt werden, indem sie für eine u. U. negative Bewertung ihrer Veranstaltungen nicht bloß an den Pranger gestellt werden, sondern ihnen im Gegenzug auch Gelegenheiten zur Fortbildung ihrer Lehrfähigkeiten gegeben werden. Kritisch ist am Einsatz von Lehrevaluationen als Ausgangspunkt für eine Auszeichnung von "Exzellenz" ihre mangelnde bundesweite Vergleichbarkeit zu sehen. Objektive Kriterien für Lehrqualität existieren nach ExpertInnenmeinung bis heute nicht. Damit entbehrt die Initiative schon einer stichhaltigen Grundlage, aufgrund derer die vermeintlich Besten herausgefiltert werden könnten.